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Abstieg ins Paul-Tal

2018 Kapverden: Wanderung ins Paul-Tal

Die Matratze knarzte bei jeder Bewegung. Gefühlt war es noch lange laut aus dem Restaurant-Bereich. Wir waren aber auch früh im Bett und daher früh wach. Es war gerademal kurz nach 6 Uhr. Gegen 7:30 Uhr gingen wir frühstücken. Anstatt zwei Omelette bekamen wir nur eins gebracht. Läuft. Teilten wir uns das dann ganz einfach. Ich hatte, wie auch gestern, das Gefühl, dass es unserem Gastgeber nicht so ganz passte, dass wir kein französisch sprechen. Neben Brötchen gab es auch köstliche Papaya Marmelade.

Wir machten uns fertig und gingen raus. Da wartete schon Nonny auf uns. Es war gerade mal 8:30 Uhr. Für 2300 Escudos fuhr er uns zum Cova Krater. Die Straße schraubte sich durch die Bergwelt. Für hielten für ein paar Fotos an. Unvorstellbar, dass das bis vor wenigen Jahren die Hauptverbindung nach Porto Novo war. Immer höher und höher ging es, in die Wolken. Es regnete leicht. War es ein Fehler die Regenjacken im Koffer zu lassen?

Nonny erklärte uns noch, dass wir unten im Paul-Tal den rechten Weg und nicht den linken entlang der Straße gehen sollten. Schließlich wären wir jung. Okay. In 5 Stunden sollten wir dann in Cidade des Pombas angekommen sein und einfach irgendein Aluguer nehmen. Wir zahlten und verabschiedeten uns.

Covo Krater versteckte sich



Der erste Blick in den Krater Cova do Paul: Wolkenverhangen. Kein Krater in Sicht.

Wir liefen in einem Bogen nach unten. Meter für Meter wurde der Krater sichtbarer. Auf dem Kraterboden wurde Gemüse angebaut. Früher war der Krater mal bewohnt. Jetzt machen sich die Bauern nur noch die mit der Höhe verbundene Feuchtigkeit und den nährreichen Kraterboden zu Nutze.



Linkerhand ging es wieder aus dem Krater raus. Wir ließen uns Zeit. Sprachen mit einem Norweger, der kurz nach uns mit der Wanderung startete. Wir ließen ihn ziehen. Wohl wissentlich, dass wir eh nicht mithalten könnten. Im Krater waren wir schon von der Landschaft und den Felsen gefesselt.



Wind und Wolken – Wo ist das Tal?



Oben am Kraterrand angekommen erhob sich vor uns eine weiße Wand gepriesen von kaltem Wind. Immerhin nieselt es nicht mehr. Der Ausblick: nicht vorhanden. Mit jedem Schritt nach unten verzogen sich die Wolken mehr und mehr. Die Sonne setzte sich immer mehr durch.



Schon nach den ersten wenigen Metern des Abstiegs machte sich mein linkes Knie bemerkbar. So früh hatte ich nicht damit gerechnet. Ab einer bestimmten Neigung wurde jeder Schritt zur Qual. Franky, der sich gestern bei der Wanderung das rechte Knie leicht umgeschlagen hatte, klagte irgendwann auch über Schmerzen. Vorher sprach er noch davon, dass ich mich nicht unter Druck setzen soll, wenn er schneller wäre. Nun war ich die Schnellere von uns beiden. Und dabei war ich schon langsam. Franky bewunderte mich, wie ich mit diesen Schmerzen es überhaupt so weit schaffen konnte. Half ja nix.



Traumhafter Blick ins Paul-Tal



Wir kamen natürlich auch dazu die Landschaft, den Ausblick und die wunderbaren Wandelröschen, die uns den kompletten Weg begleiteten, zu bewundern. In den Hängen entlang der Serpentinen waren kleine Felder angelegt. Es wuchsen Kürbisse, Bohnen, Maniok, Weißkohl, Salat. Eine kleine Physalis erblickte ich per Zufall halb auf dem Boden rankend.



Immer wieder wurden wir von Wanderern mit gesunden Knien überholt. Wie deprimierend. Andere kamen uns sogar mit großem Rucksack auf dem Rücken entgegen. Unterwegs gab es einen Erfrischungsstand. Franky gönnte sich eine kalte Cola für 150 Escudos. Ich wollte nichts bzw. gab es das was ich wollte – neue Knie – nicht.

Ziegen wurden vom Geißenpeter umgesetzt. Unglaublich was die Leute die hier wohnen für Strecken zurücklegen mussten. Der Weg vom Paul Krater runter ins Dorf (oder umgekehrt) ist halt nur ein ehemaliger Eselweg. Vermutlich haben die alle gesunde Knie.

Retter in der Not



Das Dorf unten am Fuße des Berges kam immer mehr in Sicht. Rettung? Naja, bis wir dann tatsächlich unten waren verging noch eine ganze (schmerzhafte) Weile. Vier Stunden benötigten wir, bis wir endlich im Dorf Cabo da Ribeira angekommen waren. Dort sprachen wir kurz mit einem älteren Herrn, der auf den Kapverden geboren war, aber bei Rotterdam wohnt. Er sprach auf Deutsch mit uns. Nun war er für ein paar Monate hier und ging dann wieder zurück nach Rotterdam.



Ebenerdig laufen tat richtig gut und wir liefen aus dem Dorf raus. Dann ging es jedoch wieder bergab und wir entschieden auf das nächste Aluguer zu warten. Ein Guide mit Touri fragte ob alles okay ist. Nein war es nicht. Wir warten aufs Aluguer, weil wir nicht mehr laufen konnten. Kurzerhand rief er seinen Bruder an, der im Dorf mit dem Aluguer stand. In wenigen Minuten stand unser Retter bei uns. Wir quälten uns auf die Ladefläche. Menschen stiegen dazu und wieder aus. In der Spitze saßen wir hinten mit 6 Mann.

Mittagessen in der Atelier Bar



In Cidade de Pombas zahlten wir 300 Escudos für die Fahrt. Das nächste Aluguer wartete schon auf uns. Wir wollten jedoch hier zu Mittag essen. Ab ins Dorf. Viel Auswahl hatten wir nicht. Wir gingen zur Atelier Bar. Die hatten Cachupa – das Nationalgericht – im Angebot. Für Franky mit Chicken für mich mit Ei.



Das Bohnen-irgendwas-Gemisch schmeckte recht fad und trocken. Erst erwischte ich einen kleinen Knochen. Dann war da noch mehr Knochen und plötzlich schmeckte es nach Fisch und Schuppen und Gräten waren auch drin. Super! Wenn wir morgen nicht mehr vom Klo kommen… Es sollte aber alles gut bleiben.



Wir machten noch ein paar Fotos von der Küste und warteten, dass sich das Aluguer was nach Ribeira Grande fuhr, füllte. Was es nicht tat. Der Versuch uns 2x eine Privattour anzubieten, sogar für 600 anstatt 1000 Escudos, scheiterte. Wir wollten nicht und warteten und warteten.

Unterwegs mit der halben Fußballmannschaft



Endlich: Ein anderes Aluguer würde jetzt nach Ribeira Grande fahren und wir könnten mit. Okay. Wie sich herausstellte stieg im Laufe der Fahrt eine halbe Fußball Mannschaft dazu. Zuletzt waren es 7 Spieler und der Trainer. Neben uns und dem Fahrer war noch ein Zivilist im Wagen.


Die Stimmung war gut. Erinnerungen an Cuba und dem A-Team wurden wach.

Dem einen Fußballer fehlten noch Schuhe und er holte die unterwegs in einem Haus, einen anderen hätten wir beinahe vergessen, und er kam aus dem Haus geeilt. Für den nächsten wartete ein kleiner Rucksack auf einem Stuhl am Wegesrand. Wir hatten unseren Spaß. Alle stiegen in Ribeira Grande aus.



Wir quälten uns zum Divin Art. Unterwegs trafen wir Nonny. Er wollte wissen, ob wir morgen wieder wandern möchten. Nein, auf keinen Fall. Aber übermorgen bräuchten wir ein Aluguer nach Porto Novo. Wir verabredeten, dass er uns am Mittwoch morgen abholen würde.

Im Divin Art gönnten wir uns eine kalte Dusche und anschließend zwei kühle Bier auf der Terrasse der Gastronomie.

Früh gingen die Lichter aus. Einige Zeit waren noch Geräusche aus der Küche und dem Restaurant zu vernehmen. Wir lagen aber auch sehr früh in den Federn. Auch als Ruhe einkehrte war trotzdem nicht an vernünftigen Schlaf zu denken.  

tbc

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