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Silberrücken

2017 Uganda: Gorilla Tracking

Die Nacht war unruhig. Jedoch nicht nur weil das Highlight unserer Reise auf uns wartete. Noch vor Mitternacht musste Frank raus. Ihm war schlecht. War das 2. Bier gestern wohl etwas zu viel? Ich lauschte auf meinen Magen. Leichtes Grummeln oder heraufziehende Unterleibsschmerzen? Ich wusste es nicht so ganz.

Den Wecker hatten wir auf 6:30 Uhr gestellt. Natürlich waren wir bereits vorher wach. Frank ging es wieder gut, sagte er zumindest. Mir auch!

Frank warf unseren Gaskocher an und briet Spiegeleier mit Ham. Für jeden gab es ein Ei mit einer Brothälfte. Zum Lunch bereiteten wir uns je ein weiteres Ei mit einem ganzen Brötchen vor, was wir mitnahmen.

Wir hätten uns auch vom Buhoma Community Rest Camp ein „Packed Lunch“ zusammenstellen lassen können.

Registrierung für das Gorilla Tracking



Das Registration Office für das Gorilla Tracking (ein kleiner Holzverschlag) lag quasi direkt vor unserer Haustür. Unser Brief wurde von den beiden Rangern durchgelesen. Die zusätzlichen Zettel einbehalten. Die Rangerin teilte uns mit, dass sie die Zettel kopieren muss und wir sie nachher wieder abholen könnten. In Ordnung! Wir wurden ins Registrierungsbuch eingetragen. Auf unsere Pässe kam ein gelbes Post-it. Wenige hundert Meter weiter die Straße runter lag die Rezeption für das Gorilla Tracking.



Dort mussten wir im Office unsere Pässe abgeben und nahmen in dem anliegenden Raum Platz. Ein Video über UWA und dann über die Gorillas wurde gestartet. Nach und nach trudelten immer mehr Touris ein.

Um 8:00 Uhr wurde zum Apell bzw. Briefing gerufen. Wir verließen das Videozimmer und versammelten uns auf der grünen Wiese.

Aufteilung der Gruppen



Die Aufteilung in 3 Gruppen wurde ohne uns vorgenommen. Wie wir nachher erfuhren, managen die Fahrer der Touris dies zusammen mit den Gorilla-Guides. Dabei wird auf die Kondition der jeweiligen Touris versucht Rücksicht zu nehmen. Wie gut, dass wir keinen Menschen hatten, der für uns Partei ergriff.

Mit sechs weiteren „Leidensgenossen“ (5 Deutschen und einer Amerikanerin) wurden wir der Habinyanja-Gorillagruppe zugeordnet. Das soll laut Reiseführer die schwierigste Gruppe sein, weil deren Gebiet das weitläufigste ist und die Wanderung zu den Gorillas sehr anstrengend sein kann. Sch … Mir schwante Böses und die Auskunft, dass gestern jemand aus diesem Gebiet mit der Trage zurückgebracht werden musste, macht es auch nicht besser. Vorsorglich legte ich schonmal die Bandagen um beide Knie.

Startpunkt außerhalb von Buhoma



Zunächst wurden wir mit dem Auto zu einem Startpunkt außerhalb von Buhoma gebracht. Zum Glück hatte die Amerikanerin Susie, die alleine mit einem Guide unterwegs war, noch Platz im Auto um uns mitzunehmen. Landcy stand ja noch „ausgefahren“ im Vorgarten des Camps und konnte in dem Zustand nicht bewegt werden. Unser Gorilla-Guide Omax fuhr mit der deutschen Reisegruppe mit. Die Fahrt dauerte ca. 50 Minuten.

Am Einstiegspunkt warteten Träger auf uns, die unsere Rucksäcke, Taschen und ggfs. auch den Menschen selbst, trugen. Es ist absolut empfehlenswert, einen oder zwei dieser Herren, die aus der angrenzenden Community kommen, zu engagieren. Zum einen ist es für sie die einzige Einkunftsquelle (jeder darf nur zwei Mal im Monat tragen, da alle mal dran kommen) und zum anderen ist man so mit sich selbst und dem Weg beschäftigt, dass man keinen Ballast auf dem Rücken haben muss. Abgesehen von der kleinen Kameratasche. Wir bekamen zwei Porter die den Rucksack und die große Kameratasche trugen.

Porter tragen die Tagesrucksäcke



Zwei bewaffnete Ranger begleiteten uns, als Schutz vor den Waldelefanten. Diese sind nicht so sehr an den Menschen gewöhnt und könnten sich unter Umständen zum Schaden des Menschen verhalten.

Um 9:40 ging es los, dem bewaffneten Ranger und Omax hinterher. Einen Wanderstock bekam ich von meinem Porter in die Hand gedrückt. Omax hatte vorher noch betont, dass ein Stock evtl. hilfreich sein kann, wenn man auf schlechten Boden die letzten Meter zu den Gorillas spurten muss. Ich bin mir nicht sicher, ob er mich nicht eher gehindert, als mir geholfen hat.

Wir gingen über gut begehbare Waldböden bergauf und bergab, vorbei an Schlingpflanzen, über kleine Bachläufe. An manchen Stellen musste die Machete gezückt werden, um den Weg frei zu schlagen, der im Laufe der Strecke schlechter wurde. Mein Porter nahm mich ein uns andere mal an die Hand, als es rutschig war und bergab ging. Ich frage mich, wie die Porter es schaffen diese Wege mit normalen Gummistiefeln zu gehen.

Den Fährtenlesern auf der Spur



Wir legten genügend Verschnaufpausen ein. Das war okay. Fährtenleser waren morgens schon früh gestartet, um die Gorillas für uns zu finden. Omax war ab und zu in Kontakt mit ihnen und erhielt Infos in welche Richtung wir laufen müssen.

Gegen 11 Uhr verkündete Omax: die Tracker haben die Gorillas gefunden! Freude und Aufregung machte sich breit. Kurz drauf waren auch wir auch schon bei den Trackern angekommen. Bewaffnet mit Kameras, die Träger blieben zurück, sind wir die letzten Meter bis zu der Gorilla-Gruppe vorgedrungen. Da war es ca. 11:15 Uhr.

Der Silberrücken ist der Boss



Der große Silberrücken hatte es sich im Dickicht gemütlich gemacht und speiste. Um uns Touris eine bessere Sicht zu ermöglichen, kürzten die Tracker etwas von dem Grünzeug, dass uns die Sicht nahm, mit der Machete. Der Silberrücken fühlte sich dadurch etwas belästigt, ging ein paar Meter bergab, um dann mit lautem Gebrüll auf uns zuzuspringen. Hinter ihm ein kleinerer Gorilla, der sich auf den Brustkorb trommelte. Frank stand quasi in Poleposition, als wir alle erschrocken zusammen zuckten. Wir bekamen von Omax die Ansage, still stehen zu bleiben. Der Chef des Regenwaldes beruhigte sich nach seiner Ansage wieder und machte es sich einige Meter tiefer bequem. Fing an sich in der Nase zu bohren und frass weiter.



Wir brachten uns in Position, was bei der Hanglage gar nicht so einfach war. Eine Dame aus unsere Gruppe rutschte aus und landete quasi neben mir. Wir hockten uns beide hin, dabei gab der Stoff meiner Hose am Hintern endgültig nach. Sch …

Eine Stunde durften wir nun mit den Gorillas verbringen.

Alle folgten dem Silberrücken



Ein ganz neugieriges Äffchen beschnupperte und berührte Susie, die sich zu einem Foto mit dem Silberrücken im Hintergrund positioniert hatte. Wir waren begeistert und Susie erst! Ein kleiner Gorilla spielte mit seiner Mutter auf einem Ast. Weitere Gorillas bewegten sich mit genügend Abstand um uns rum. Dem Silberrücken war es wohl ein wenig zu ungemütlich mit uns. Und er zog ein paar Mal mit seiner Truppe den Hügel weiter hinauf. Wir schlossen uns natürlich an und sind hinterher.



Zwischendurch hat der Silberrücken noch einmal demonstrieren müssen, dass er hier das Sagen hat. Nach fast einer Stunde gab er dann das Kommando „alle Mann bzw. Gorillas auf die Bäume“. Für uns bedeutete dies Abschied nehmen. Es war ein unbeschreibliches, wenn auch anstrengendes Erlebnis.

Der Porter war immer zur Stelle



Zum Ende unserer „Anreise“ zu den Gorillas waren wir viel bergab gelaufen, was im Umkehrschluss für den Rückweg bergauf bedeutete. Mein Porter reichte mir erneut ein paarmal die Hand, um mir mehr Tritt-Sicherheit zu geben. Als ich zwischendurch zu Atem kommen musste wartete er mit mir, wohingegen Frank einfach weiterlief.

Als wir das Schlimmste hinter uns hatten gab es eine Lunchpause. Ich musste erst einmal zu Atem kommen, bevor ich überhaupt einen Bissen unseres Eier-Brötchens runter bekam. Die Porter warteten getrennt von uns.

Susie kam auch irgendwann an. Es wurde diskutiert wieviel Tip denn nun an die Tracker und Ranger zu zahlen ist. Die anderen wussten was von 100 USD für alle (Ranger, Guides, Tracker) die uns in irgendeiner Form begleitet haben. Pro Person gaben wir also 15 USD. Die Porter bekamen natürlich separat eine Entlohnung ihrer Tragedienste von dem jeweiligen Touristen für den sie getragen haben.

So langsam wollen meine Knie nicht mehr. Das Linke schmerzte mehr als das Rechte. Sonst ist es eigentlich eher umgekehrt.

Unbeschadet zurück am Anfangspunkt



Der Weg zog sich nach der Pause noch ein wenig, war aber bei weitem nicht mehr so anstrengend. Um 14 Uhr waren wir wieder zurück am Auto. Gestern die Tour war erst um 16 Uhr raus aus dem Wald und einer musste mit einer Trage, die aus den Materialen des Regenwaldes spontan gebastelt wurde, herausgetragen werden. Laut Omax ist auch schon mal jemand gestorben, nachdem er die Gorillas gesehen hatte. All das passierte heute zum Glück nicht.

Wir gaben unseren Portern jeweils 20 USD. Verabschiedeten uns von allen und kauften noch ein Gorilla Souvenir für 10.000 UGX (alternativ hätten wir 5 USD zahlen können). Denn inzwischen befand sich neben unseren Autos ein kleines Verkaufsareal.

Neben den „professionellen“ Souvenir-Verkäufern versuchten Kinder ebenfalls ihre Kunstwerke (Gorillazeichnungen auf Papier, Pappe, Karton) an den Mann/die Frau zu bringen. Allerdings mussten sie hinter den Verkäufern stehen bleiben und durften nicht auf uns zugehen. Wir stiegen in die Autos und Livingstone fuhr uns zurück. Den Weg runter standen Kinder mit ihren Zeichnungen winkend am Straßenrand, als wir zurückfuhren. Ein schlechtes Gewissen machte sich breit. Die Kinder waren so putzig und freundlich und versuchten einen kleinen Beitrag zum Lebensunterhalt dazuzusteuern. Fürs Fahren gaben wir Livingstone 10.000 UGX.

Zertifikat für das erfolgreiche Gorilla Tracking



Wir waren trotz der Fahrerei die erste der drei Gruppen die zurück an der Rezeption war.

Im Gemeinschaftsraum bekam jeder Teilnehmer ein Zertifikat für das erfolgreiche Gorilla Tracking feierlich und unter Applaus überreicht. Ja! Wir waren bei den Berggorillas!

Wir tauschten Kontaktadressen aus und machten uns auf dem Weg zurück zum Camp. Als wir die Rezeption gerade verlassen wollten kam eine der anderen Gruppen zurück. Total nass geschwitzt. Die Leute hätte man echt auswringen können. Vermutlich hatten die es noch um einiges schwieriger als wir. Und die vermeintlich leichteste Gruppe kommt wohl an einer anderen Stelle im Nationalpark aus und wird dann zurück gebracht. Ob wir mit unserer Habinyanja-Gorillagruppe doch Glück hatten?

Am Registration Office quatschten wir noch ein wenig mit einem Herren. Der Ranger hatte unsere Zettel schon im Camp abgegeben.

Die Knie schmerzten



Um kurz nach 16 Uhr stimmten wir unser Dinner ab und gingen nacheinander duschen. Im Laufe des Tages hatte sich meine Hose, die nach dem Schimpansen-Tracking die ersten Verschleißerscheinungen zeigte, komplett verabschiedet. Der Riss wurde schon während wir bei den Gorillas hockten immer größer, so dass sie in Uganda bleiben durfte.



Der Weg – bergab – zu den Duschen war mit meinen schmerzenden Knien beschwerlich. Es kam nur kaltes Wasser aus der Leitung. Schade … Aber egal! Wie angenehm frische Kleidung sein kann!

Im Craftshop, der sich beim Camp befindet, kaufte ich für 15 USD ein paar Mitbringsel ein – quasi unser Beitrag für die Community. Um 18 Uhr schlichen wir ins Restaurant rüber. Für Franky gab es Chicken mit Reis, Kartoffelpü und Gemüse. Anstelle des knochigen Chicken hatte ich mich für die vegetarische Variante mit Auberginen entschieden. Als Vorspeise gab es eine Lauchsuppe. Nachspeise war ein Schokomuffin mit schön dekorierten Saucen.

Sattgefressen blieben wir noch ein wenig im Restaurant sitzen. Stöberten im I-Net, ich tippte den Reisebericht. Nach und nach kamen heute andere Gäste ins Restaurant. Gestern waren wir, abgesehen von einem anderen Herren, alleine. Der Kellner/Host wollte wissen, was ein I-Pad in Deutschland kostet. In Uganda würden sie nur qualitativ schlechte Elektronikartikel aus China geliefert bekommen. Ob der Chinese wirklich einen Unterschied macht, was er zum Beispiel nach Deutschland und was er nach Uganda verschickt? Wir bezweifelten das. Danach gingen die Computergespräche los…

Das Restaurant lag auf halbem Weg zwischen Landcy und den Toiletten. Meine Knie dankten es mir, dass ich vom Restaurant direkt zum Klöchen bin und dann erst zum Auto. Man hab ich Knie! War die Leiter schon immer so steil?

Gefahrene Kilometer: selber keine

tbc

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